„Es hat sofort gefunkt“
Die Geschichte einer Liebesheirat
„Wir haben uns damals nicht viel Zeit gelassen”, erzählt Tim. Er und Daniel lernten sich vor rund sechs Jahren kennen – in Hongkong. Daniel, der aus China stammt, studierte dort, und Tim lehrte als Professor an der gleichen Hochschule. „Glücklicherweise eine andere Fachrichtung”, lacht Tim. „Es hat sofort gefunkt!” Schon nach zwei Monaten sind beide zusammengezogen. „Ich fühlte mich total wohl mit Tim”, blickt Daniel zurück, der damals Doktorand war und heute als Informatiker arbeitet. „Und so ist es noch heute, das gute Gefühl hält an.” Die beiden hatten Glück: „Das ist es”, dachte auch Tim damals auf Anhieb. „Die Chemie stimmte einfach zwischen uns.”
Im Sommer 2008 ist das Paar nach Berlin gezogen. Tim ist Berliner, ihm wurde ein Lehrstuhl an einer Berliner Uni angeboten. Und Daniel konnte sich gut vorstellen, hier zu leben. Auf eine Fernbeziehung hatten beide keine Lust. Im selben Sommer fand ihre Hochzeit statt. „Das hatte zwei Gründe”, sagt Daniel.
Einen emotionalen: „Mit der Heirat sind wir nicht nur ein Paar”, erklärt Daniel, „das waren wir ja schon vorher. Jetzt sind wir auch eine Familie. Das ist eine Stufe höher als Partnerschaft. Mein Mann klingt eben anders und hat einen anderen Stellenwert als mein Freund.”
Nach der Heirat sind Tim und Daniel noch enger zusammengerückt
Der praktische Grund lag auf der Hand: „Daniel hätte mit seinem Hongkong-Pass nicht ohne weiteres eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen”, erklärt Tim die rechtliche Situation. „Das aber machte die Heirat schnell und leicht möglich.”
Die Hochzeitsfeier fand im kleinen Rahmen statt. „Ein toller Tag”, erinnert sich Daniel. „Wir hatten zusammen eine sehr gute Zeit. Ich weiß nicht, wie so ein Hochzeitsgefühl sein muss, aber es war ein sehr schönes Gefühl!” Tim beschreibt es so: „Für mich ist es normal, mit Daniel zusammen zu sein. Deshalb war ich auch gar nicht aufgeregt, höchstens wegen der Organisation!“ Stress brachte etwa der Umstand, dass es in China keine offiziellen Geburtsurkunden gibt, ohne die aber hierzulande keine Verpartnerung möglich ist. Notare stellen solche Geburtsbescheinigungen aus. Doch das dauert … Aber es klappte. Zehn Tage vor Heiratstermin war das Schreiben da.
Am 9.9.08 haben sie mittags auf dem Standesamt Mitte geheiratet – „verpartnert” nennen es beide nicht. Es gibt wunderbare Fotos vom Tag mit der Kutschfahrt durchs Nikolaiviertel zum Brandenburger Tor, von der Bootsfahrt auf der Spree nebst Festessen, Sekt und Reden. Würden die beiden auch anderen die Heirat empfehlen? „Eine Hochzeit manifestiert die starke emotionale Verbindung, das Zusammensein, das Familiesein. Das ist ein gutes Gefühl”, sagt Daniel. „Nach der Heirat sind wir noch enger zusammengerückt. Das ist meins, das ist deins – das ist nicht mehr so wichtig. Das ist jetzt klarer als vorher: das ist unsers.” Stimmt, sagt Tim: „Durch die Heirat hat man in vielerlei Hinsichten das schöne Gefühl, dass das, was man hat, zusammengehört.” Wie die beiden ja auch.
Andreas Hergeth
Fotos: Milena Schlösser / www.milenaschloesser.de
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