queer weddingsiegesäuleDU&ICHL-MAG

Aus kühlem Grunde

Kein Mensch heiratet nur der Liebe wegen. Sieben gute Gründe für eine Hochzeit

1 Aus Prinzip

„Wir haben auch geheiratet, um die uns vorenthaltenen Rechte einzuklagen“, sagt Wolfgang (56), der seit 1973 mit Werner (69) zusammenlebt. So kämpften die beiden Pinneberger sechs Jahre lang um die Anerkennung der Hinterbliebenenrente für Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes. 2009 gab ihnen das Verfassungsgericht Recht.

2 Für den Krankheitsfall

Auch gegen den Worst Case fühlen sich Werner und Wolfgang dank der Ehe nun gewappnet. Liegt einer der beiden im Sterben, hat der Gatte das Sagen, nicht die Eltern. Was für die beiden hypothetisch ist, wurde für Bärbel (50) vor einigen Jahren während einer Erkrankung konkret. Inzwischen ist die Berlinerin verpartnert und froh, „dass im schlimmsten Fall nicht meine Eltern die Entscheidungen treffen, sondern meine Frau“.

3 Anderen zuliebe

Selbst überzeugte Gegner der Homo-Ehe wie Jim (47) sind unter der Haube. „Ich habe mich 18 Jahre lang erfolgreich gewehrt“, erzählt Jim. „Doch mein Freund Sergio wollte immer schon heiraten. Ich habe es ihm zuliebe getan.“ Auch Mone (30), wie Jim aus Berlin, könnte auf den Staatssegen verzichten. Freundin Anja (33) hingegen nicht. Angesichts des geplanten Familienzuwachses änderte Mone ihre Meinung: „Nur als eingetragene Lebenspartnerinnen kann ich Anjas und sie mein Kind adoptieren.“

4 Aus Trotz

Marino (24) hat 2009 vor rund 1.500 Zuschauern auf der Hamburger Homomesse Gayvention geheiratet. Die RTL-Übertragung sorgte dafür, dass die Botschaft auch in den letzten spießbürgerlichen Winkel vordringen konnte. „Zu heiraten war auch ein Statement gegenüber meinen Eltern, die mich vor sieben Jahren verstoßen haben, weil ich schwul bin.“ Obwohl ein reiner Verwaltungsakt, zeigt der Gang zum Standesamt Wirkung. Spätestens dann müssen Eltern die Scheuklappen ablegen und die sexuelle Orientierung ihrer Sprösslinge akzeptieren. Jim: „Meine Eltern nehmen meine Beziehung erst seit der Ehe ernst.“

5 Um zu bleiben

Für den Südamerikaner Leon (26) und seinen deutschen Freund Thomas aus Köln war nach elf Monaten Fernbeziehung klar: „Wir heiraten.“ Ohne Aufenthaltsrecht konnte Leon nur zeitlich begrenzt als Tourist nach Deutschland einreisen. „Das Pendeln zwischen den Kontinenten war sehr belastend. Wir haben aber aus Liebe geheiratet“, betont Leon. Auch wenn die inzwischen vorbei ist. Um die Ausweisung Leons zu verhindern, verzichten sie auf die Scheidung.

6 Um Gottes Willen

„Die spirituelle Zeremonie war zwar nicht der Grund zu heiraten, sie war mir aber wichtig“, berichtet Hanne (29), die aus einem christlichen Elternhaus stammt. Weil sie jedoch keine altbackenen Rituale wollten, buchten sie und Gattin Susanne (30) einen freien Theologen. In größeren Städten gibt es inzwischen auch Pfarrer, die gleichgeschlechtliche Paare segnen. Die evangelischen oft mit Billigung der Landeskirche, die katholischen immer mit dem Risiko, angeschwärzt zu werden.

7 Aus Eifersucht

Auch exklusive Besitzansprüche sind ein Heiratsmotiv. Fremdgehen ist unerwünscht bis tabu. „Das war aber auch schon vor der Ehe so“, sagt Bärbel. Und Frank (44) aus Berlin macht klar: „Wer sich nicht einlässt, will sich lediglich den ewigen Rudelbums sichern.“

 

Text: Beate K. Seiferth

Foto links: Dani und Steffi aus Franken, fotografiert von Klaus Rüpplein

Foto rechts: „Verbotene Liebe“/ARD/Glitsch