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Liebe fürs Leben: wie helfen die Profis?

Wer heiraten will, muss erst einmal den richtigen Menschen dafür finden. Partnervermittlungen versprechen auch Schwulen und Lesben Hilfe bei Wahl

Auf Partnersuche sind die meisten irgendwann einmal, manche ein Leben lang. Doch wie findet man in Zeiten des Internets den Menschen fürs Leben? „Auf GayRomeo jedenfalls nicht“, meint Bertram* (35) aus Berlin. Zwar sei es in der Szene häufig so, dass einem Sexdate eine Beziehung folge, aber von Dauer seien diese nicht. Deshalb hat sich der Facharzt vor einigen Monaten bei GayParship angemeldet. Das Versprechen der Online-Partnerbörse: nur User, die ernsthaft an einer dauerhaften Partnerschaft interessiert sind; dazu eine Vorauswahl nach gemeinsamen Interessen. Bertram ist zufrieden mit den bisherigen Kontakten, auch wenn die Liebe fürs Leben noch nicht dabei war. „Es waren interessante Männer dabei, und die Dates hatten definitiv eine neue Qualität“, resümiert Bertram.

Partnervermittlungen umwerben auch die schwullesbische Kundschaft

Anders als bei kostenlosen Dating-Portalen kann man bei Parship nicht frei unter den Angemeldeten wählen, sondern nur zu den täglich Vorgeschlagenen Kontakt aufnehmen. Anne (43) aus München fand ihre letzte Beziehung auf GayParship. „Wir lernten uns 2005 kennen und waren immerhin fünf Jahre zusammen“, erzählt sie. „Wir wollten beide nicht umziehen, und die Energie für eine Fernbeziehung ist irgendwann weg.“ Während Parship bereits seit dem Online-Start am Valentinstag 2001 über ein Queer-Portal verfügt, wirbt ElitePartner zwar offensiv, aber erst seit kurzem um die schwullesbische Klientel. Dabei gibt Elite­Partner eine „Kontaktgarantie“. „Die Premium-Mitgliedschaft verlängert sich kostenlos, wenn Sie zum Beispiel bei einer dreimonatigen Mitgliedschaft mit weniger als fünf Mitgliedern in gegenseitigen Kontakt getreten sind“, erklärt Unternehmenssprecherin Sabrina Berndt gegenüber Queer Wedding. Pia, Grundschullehrerin, Anfang 30 aus Stade, war von der Idee angetan, dass eine Mitgliederprüfung durchgeführt wird, um eine vermeintliche Elite auszusieben. Allerdings: „Mir scheint das ziemlich fadenscheinig“, urteilt Pia inzwischen. „Weder wurde meine Identität geprüft noch mein akademischer Abschluss.“

Mit Handy-App auf der Suche nach dem Menschen fürs Leben

ElitePartner ging 2010 als Preis-Leistungs-Sieger aus dem Test der ComputerBild hervor. GayParship hat dafür etwa doppelt so viele Mitglieder und blickt auf eine lange Tradition von Medienpartnerschaften mit seriösen Medien zurück. Als erste Partnervermittlung bietet Parship seinen Mitgliedern eine kostenlose iPhone-App an. Beide Partnervermittlungen setzen einen Persönlichkeitstest an den Anfang. Ohne ihn ist kein „Matching“, also keine Vermittlung, möglich. Und beide zielen auf eine finanzkräftige Klientel, nämlich Akademiker. Doch brauchen Schwule und Lesben ökonomisch-gesellschaftlich arrangierte Beziehungen? „Bei Schwulen spielt der Aspekt vielleicht weniger eine Rolle, insbesondere, wenn sie in Großstädten leben“, meint Anne. Die Realität schwuler Akademiker mit „double income, no kids“ setze andere Rahmenbedingungen als die manch lesbischer Akademikerin, die womöglich Kinder habe, für die sie eine finanzielle Verantwortung trage.     

*Namen aller Privatpersonen geändert

 

Text: Sonya Winterberg

Fotos: Kelsie Mortimer