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Unser Autor Frank Pascher erklärt, was so schön am Heiraten ist – allen Unkenrufen von schwulen Freunden zum Trotz

„Ich kann das Wort Hochzeit nicht mehr hören, da fehlt mir ein Funke an Selbstironie, trotz aller Sympathie auch für deinen Mann.” – So kann ein Glückwunsch zur Hochzeit auch ausfallen – und einer langjährigen Freundschaft den finalen Todesstoß versetzen. Vielleicht war es ja keine Freundschaft. Vielleicht war es nur ein Generationenpakt, ein Versuch, sieben Jahre Unterschied zwischen zwei befreundeten Homos zu überwinden. War aber ein Flop. Und damit bin ich – der Jüngere – mittendrin in den Feierlichkeiten. Um die Stimmung nicht ganz zu versauen, lege ich an dieser Stelle gleich mal die Uptempo-Titel vom DJ zum begeisterten Ausrasten auf und singe: Ja! Ja! Ja! Und nochmals Ja! Ich würde es immer wieder tun: heiraten!

Am besten einmal im Jahr! Denn es macht Spaß, auch wenn es Menschen – mich eingeschlossen – gibt, die nicht präzise wissen, was es nun genau ist: Verpartnerung? Verpartnerisierung? Verpaarung? Ist schließlich ein verbaler Kraftakt, dafür das richtige Buchstaben-Klangbild zu finden, denn „Hochzeit” darf ich offiziell gar nicht benutzen – da kriege ich Schimpfe! Und nicht nur von meinem an mangelnder Selbstironie leidenden Ex-­bestem-Freund. Auch von der Regierung. Wenn es nach denen geht (und nach denen geht es), bin ich seit dem Tag, der tatsächlich einer der schönsten in meinem Leben war, noch ledig. Obwohl es sich anders anfühlt. Und es fühlt sich gut an.

Der Mann bleibt da – so hat er es versprochen!

Einen Tag nach dem offiziellen Akt – alle sind gekommen, alle 40 Zaungäste und engsten Freunde, auch der mit ohne Selbstironie – spüre ich, dass nicht nur der Ring an meinem Finger den Stolz in meine Brust pumpt, sondern dass auch ohne Ring etwas da ist. So ein Glanz, den man nicht sieht. So eine wohlige Erdung. Es lässt sich am besten benennen mit dem gründlich genutzten „Angekommen-sein”, auch wenn es das nicht trifft. Der Mann ist da. Da war er schon vor fünf Jahren. An meiner Seite. Mit seinen schlechten Schlafmanieren. Der Mann bleibt da. So hat er es versprochen. Auf dem Standesamt. Und ich habe mich natürlich auch gefragt, warum ich dieses Spektakel so gewollt habe. Einmal Prinzessin spielen?

Blödschwule, meist Schwervermittelbare, Frühgeborene und Unglückliche kotzen anlässlich der Bekanntgabe des Heiratswillens sehr ungefragt den Satz: „Ach, du wolltest doch nur mal das enge Armani-Kleid tragen!” Wie spießig von denen, so klischeehaft zu denken. Es wäre eins von Dolce & Gabbana gewesen!

Die Freiheit zu entscheiden, das ist das wahre Politikum

Im Ernst: Ich wollte nie eine Frau sein und auch immer einen Mann an meiner Seite. Das hat geklappt. Er tut mir gut. Und ich ihm auch. Manchmal geht es mir nicht gut. Dann ist er für mich da und verpisst sich nicht. Das habe ich nun schriftlich. Mehr als einmal fiepte es in meinen Ohren: „Dafür haben wir nicht gekämpft!” Der Satz gilt hier nicht. Die Zeit von Bertolt Brecht und „Trommeln in der Nacht” sind vorbei. Das Private ist nicht politisch. Nicht an dieser Stelle. Ich bin so wund an der Stelle, an der ich mich für meine privaten Angelegenheiten auch noch vor meinen Freunden rechtfertigen muss. Die letzten 20 Jahre nach meinem Coming-out haben mir gereicht. Ich bin müde. Mir stellt sich gleichwohl die Frage, wofür die Damen Herren denn bitte schön gekämpft haben.

By the way: Ich habe auch gekämpft, aber offensichtlich für etwas anderes als die anderen. Sie wollten offenbar die Freiheit von etwas. Und – scheiß die Wand an – ich wollte immer die Freiheit zu etwas (hab ich von Sartre geklaut, dem alten ­Existenzialisten). Die Freiheit, zu entscheiden, was ich will und was nicht. Das heißt aber nicht, im 3-Tage-Rhythmus durch sämtliche Ärsche der Republik zu rocken. Mein untertänigster Verdacht: Männer mit Borderline-Syndrom und anders Geschädigte – weil sie sich nicht anders zu helfen wissen – wollen aus ihrer komplizierten Lebenssituation ein Politikum machen.

Wem die Selbstironie fehlt, der möge zu Hause bleiben

Damit will ich die sogenannte Bewegung nicht in Misskredit bringen. Ohne die stünde ich jetzt immer noch mit Angst im Nacken auf dem Klo und böte mein Glied dem Nächstbesten feil. Nee, nee! War schon gut so. Ein bisschen scheint es den Berufsandersseinwollern einzig um hedonistische Verantwortungslosigkeit und dauerhafte sexuelle Verwertbarkeit in Heuschreckenmanier zu gehen. Meinetwegen. Dafür gibt es ja Kindergärtnerinnen. Die wiederum hatten bei unseren 70 Abendgästen auf der glamourösen Party offenbar ganze Arbeit geleistet. Sie waren alle ganz anständig, schrieben ungewöhnlich gefühlige Karten, waren lieb und so, wie ich sie gern immer hätte. Erwachsen, wie einer der Gäste später schrieb: „Zum Glück war keiner dabei, der seine Crazyness noch unter Beweis ­stellen musste.”

Gott sei Dank kam niemand auf die Idee, in eine Regenbogenfahne gewickelt „I am what I am” zu singen, aber solche kenne ich auch nicht. Und der, der das getan hätte, kam offiziell wegen unüberwindbarer Kopfschmerzen nicht. Nach genauerem Nachfragen wurde daraus mangelnde „Selbstironie”, die ihn auf dem Sofa liegen ließen. Da kann er jetzt auch meinet­wegen auch bleiben …

Fotos – Herz: Alfred-Krawietz_pixelio.de/Tauben: Annamartha_pixelio.de