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Schön gesagt!

Die perfekte Hochzeitsrede

Ein Gespräch mit dem Berliner Redenschreiber Dirk Battermann über Inhalt und Form, Sinn und Tücken von Festreden

Wozu werden überhaupt Reden auf einer Hochzeit oder einer Verpartnerung gehalten?

Mit der Begrüßungsrede eröffnen die Brautleute das Fest. Die Tischreden – in der Regel zwischen Vorspeise und Hauptgang – haben den Sinn, den Gästen überhaupt klarzumachen, warum das Paar heiratet. Die meisten der Gäste, vor allem die Verwandten, wissen nämlich überhaupt nicht, wie sich die beiden kennen gelernt haben. Außerdem ist es wichtig, die andere ­Familie zu begrüßen. Bei Hochzeiten ist der Trauzeuge des Mannes für die Planung zuständig, wann wer redet.

Wer hält die Tischreden?

Traditionell die Väter. Mich hat aber auch schon einmal eine Mutter angerufen, ihr eine Rede zu schreiben. Sie hielt die Rede, weil ihr Mann nicht gerne redet. Aber auch die Trauzeugen halten Reden.

Man könnte auch per Beamer Fotos zeigen oder einen kleinen Film … Ist es überhaupt zeitgemäß, eine Rede zu halten?

Das gesprochene Wort gilt noch immer. Meistens funktioniert die Technik sowieso nicht richtig, mehrere Leute machen sich am Notebook und Beamer zu schaffen. Es hängen komische Kabel herum, eine Leinwand steht da, sieht alles grottenhässlich aus. Mit einer Rede kann ich viel mehr Persönliches vermitteln. Es geht auch darum, eine Form von Nähe herzustellen. Das kriegst du mit der ganzen Technik nicht hin.

Was macht eine gute Rede aus?

Vor allem soll eine Rede kurz und prägnant sein. Alles, was länger als 20 Minuten dauert, ist langweilig. Die Rede sollte keine Fremdwörter und keine verschachtelten Sätze enthalten. Die Zuhörer müssen folgen können.

Worauf ist inhaltlich zu achten?

Die Rede muss persönlich sein. Die Namen sollten genannt werden. Es soll wirklich um das Paar gehen. Auch Humor sollte in der Rede enthalten sein. Das macht das Ganze unbeschwert. Der rührendste Moment einer Rede ist meistens, wenn ich vom Heiratsantrag erzähle. Bei Heteros sind es übrigens die Männer, die dann weinen. Es ist ja auch ein entscheidender Moment im Leben. Auf jeden Fall sollte es in der Rede um die Liebe gehen. Man kann erwähnen, dass zur Liebe auch gehört, Tiefen durchzustehen, dass man an sich arbeiten muss und nicht versucht, den Partner zu verändern. Ein wichtiger Bestandteil der Rede ist außerdem, gute Wünsche mit auf den Weg zu geben.

Was ist noch wichtig?

Unverzichtbar ist es, einen guten Schluss hinzukriegen, den sollte man wirklich gründlich vorbereiten. Bei schlechten Reden haben sich die Leute zwei, drei Stichpunkte gemacht und wissen dann nicht, was sie sagen sollen.

Was sind die krassesten Fehler bei einer Rede?

75 Zitate zu bringen. Zur Liebe hat ja jeder etwas Kluges gesagt. Wenn jemand Zitate aneinanderreiht, ist ihm nichts eingefallen. Das ist nur peinlich. Auch Witze sollte man keine erzählen. Wenn man ein Zitat bringt – eines reicht! –, sollte man es auch kommentieren. Ein Trauspruch sollte sich auf beide Partner beziehen. Schlecht ist, wenn die Rede am Thema vorbeigeht. Ich würde auf einer Hochzeit nicht von Scheidung reden. Es geht auch nicht, dass man sich über die Verbindung lustig macht, etwa „Ihr macht das ja nur, um Geld zu sparen.” Außerdem sollte keiner schlecht gemacht werden. Ein Vater sagte einmal bei seiner Rede, er hätte nie gedacht, dass seine Tochter noch einen abkriegt. Auch Überheblichkeit ist zu vermeiden, etwa, dass der Sohn einen Physikpreis gewonnen hat und man selbst Professor ist. Vor allem Männer neigen dazu, sich in den Vordergrund zu drängen.

Was ist beim Vortrag der Rede zu beachten?

Man sollte nicht zu schnell sprechen und Ruhe ausstrahlen, ruhig atmen, aber auch nicht zu langsam sein. Deutlich und laut sprechen, vor allem die Konsonanten am Ende eines Wortes. Ich finde es besser ohne Mikro, das ist persönlicher. Man sollte mit dem ganzen Körper atmen, um eine gute Stütze zu haben. Dabei hilft auch, mit beiden Beinen fest auf dem Boden zu stehen, statt herumzuhampeln. Augenkontakt ist wichtig. Dabei sollte man nicht nur das Brautpaar anschauen, sondern die ganze Hochzeitsgesellschaft. Und lächeln! Es ist eine Hochzeit und keine Trauerfeier.

Interview: Eckhard Weber

www.dirkbattermann.de 

Illustration: Elke. R. Steiner